Schachkalender – 21.11.

Schachkalender – 21.11.

21. November BIOGRAFIE:  ERNST GRÜNFELD

KALENDER:  Paul Rudolph von Bilguer *1815-1840, dt. Meister u. Publizist • Ernst Grünfeld 1893-1962, öst.GM u.Theoretiker• Salo(mon) Flohr* 1908-1983, tschech.-russ.GM• Jewgeni
Bare­jew *1966, russ. GM

Der Mann mit dem Variantenkoffer – Wien hat tolle Leute hervorgebracht – einder der Vordenker Ernst Grünfeld.

Nicht jedem Schachmeister ist seine Bestimmung in die Wiege gelegt. Ernst Franz Grünfeld wurde am 21.11.1893 im achten Wiener Gemeindebezirkals sie­ bentes Kind des Bronzewarenerzeugers Julius Grün­ feld und seiner Frau Aloisia geboren. Infolge eines Un­ falls musste ihm schon im Alter von fünf Jahren das linke Bein amputiert werden, dazu kam starke Kurz­ sichtigkeit. Erst mit 18 Jahren lernte er das Schach­ spiel kennen und schaffte durch unglaublichen Fleiß, ein ausgezeichnetes Gedächtnis und große Disziplin innerhalb weniger Jahre den Aufstieg zum Weltklas­ sespieler. Als zwei Brüder und der Vater an den Folgen des Ersten Weltkriegs starben und der Familienbetrieb geschlossen werden musste, wurde Grünfeld Schachprofessional. Er nahm erfolgreich an vielen bedeutenden Turnieren der zwanziger und dreißiger Jahre teil, in denen er stets im Vorderfeld platziert war und einige sogar gewinnen konnte. Auch hier bleibt die Logik klar: Nie wieder Krieg.

Vor allem als Theoretiker erlangte er Weltruhm: Grünfeld konzentrierte sich auf die Eröffnung, indem er alle verfügbaren Partien sammelte und eine riesige Bibliothek von Varianten daraus formte, die er mit Hilfe eines abstrakten Bewertungssystems katalogisierte. Daraus wiederum entnahm er das Material für seinen gefürchteten »Variantenkoffer«,eine Tasche mit vielen Fächern, die vor jedem Turnier je nach Geg­ ner neu aufgefüllt wurde. Diese Vorgangsweise stieß bei seinen Zeitgenossen auf Unverständnis, sollte jedoch eine der Grundlagen des modernen Schachs – quasi die Vorwegnahme computerunterstützter Vorbereitung – werden. Grünfeld galt als »wandelndes Schachlexikon«. Viele seiner Eröffnungsideen, von denen hier nur die »Grünfeld-Indische Verteidigung« und die»Wiener Variante des Damengambits« er­ wähnt seien, werden noch immer auf höchstem Niveau gespielt.

In seinem letzten Lebensjahrzehnt wurde der alte Meister immer friedfertiger und gewährte auch schwächeren Gegnern oft ein Unentschieden. Ernst Grünfeld war der letzte große Repräsentant der Wiener Schachschule, die mit dem Cafe Central und dem Wiener Schachklub ihren Höhepunkt in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erreichte, und die mit seinem Tod am 3. April 1962 endete.

Verfasst von Michael Ehn


Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 21.11.

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