Schachkalender – 15.11.

Schachkalender – 15.11.

15. November WESIR – KÖNIGIN – DAME

KALENDER:   Isaac Albert Horowitz *1903, am. Autor• Roland »Hawk Eye« Schmaltz *1974, dt. GM u. Blitzmeister

Dame -► 13. Nov. 14. Nov. 16. Nov.

Ähnlich wie der Name des königlichen Spiels selbst haben auch einzelne Figuren eine beweg­te etymologische (wortherkunftliche) Entwicklung hinter sich. Dabei wurden in manchen Ländern und Kulturen sehr eigenwillige Namensinterpretationen vorgenommen. Allerdings sind weltweit die persischen Wurzeln in ihrer arabisierten Form erkennbar. Insbesondere trifft diese lange Entwicklung auf die stärkste Figur des Spiels zu. Der Weg vom Wesir zur Dame war beileibe nicht nur ein sprachlicher. ( -► 14. Nov.)

DAME: Komplex und nicht mit absoluter Sicherheit zu deuten ist die Namensent­ wicklung der Dame. Im indischen Schach fehlte diese Figur ganz, im Persischen (far­zin) und Arabischen (firsan) steht dem König ein Berater bei,der allerdings nur kurz­ schrittig über das Feld zieht. Die Schachhistoriker Antonius van der Linde, Harold Murray und Tassilo von der Lasa sind sich nicht einmal über das Ursprungsland einig. Frankreich, Italien und Spanien (sehr wahrscheinlich) werden genannt. Wissen­ schaftsgeschichtlich interessante, wenn auch hochspekulative Theorien wurden er­ stellt und wieder verworfen.
(1) Etymologen glauben einen phonetischen Weg zu sehen: altspanisch alfferza, altprovenzalisch fersa, altfranzösisch fierce und vierge (leider nicht belegt) zu virgo (Jungfrau), die dem König als Königin beisteht (sehr unwahrscheinlich).
(2) Altspanisch dama kann sowohl für eine vornehme Frau ste­hen als auch  für einen Stein im  Damespiel. Allerdings  ist dieses  Spiel erst für das 15. Jahrhundert belegt.
(3) Jacob Silbermann sieht in der Dame Jeanne d’Arc, die al­ lerdings Mitte des 15. Jahrhunderts als Ketzerin hingerichtet wurde.
Sie war für kur­ze Zeit offensichtlich einflussreicher als alle Hofdamen.
(4) Joachim Petzold hält ei­nen Zusammenhang mit Maria, Königin des Himmels, für wahrscheinlich. »Die Madonna mit dem Jesuskind entsprach dem eigenen Erleben.«
(5) Bei Lucena wird das neue Schach mit der größeren Zugweite »del la dama« genannt (gegenüber dem alten »del viejo«).
(6) In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden politische und geistliche Instanzen auch in anderen Spielen (vgl. Karnöffel, siehe: Hugo Kast­ner: Die große Humboldt Enzyklopädie der Kartenspiele) in Frage gestellt. Dazu war durch die kühnen Seefahrten das mittelalterliche Bild der Welt erschüttert. Eine Übertragung dieses neuen Geistes auf das Schachbrett durch Änderung der Zug­ weite einiger Figuren (Dame und Läufer) könnte auch den Wunsch nach einer neuen Bezeichnung für die stärkste Figur in Dame mitbestimmt haben (Friedrich Gör­schen). (7) Klaus Lindörfer nimmt eine längere Entwicklungsphase zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert an. Dies wird durch Untersuchungen von Ludwig Bach­mann bestätigt, der bereits bei Ferdousi und Alfonso el Sabio Experimente mit neu­en Zugformen nachweist. Ricardo Calvos Forschungen haben diesen langsamen Übergang vom Wesir zur Königin wohl endgültig bestätigt.


Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 15.11.

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