Schachkalender – 09.11.

Schachkalender – 09.11.

09. November BIOGRAFIE: MICHAIL TAL

KALENDER:   Domenico Lorenzo Ponziani *1719-1796, ital. Meister u. Theoretiker • Gyula Breyer † 1921 • Michail Nechemjewitsch Tal *1936-1992, sowj.-lett. WM •
Frank James Marshall † 1944 • Joszef Pinter *1953, ung. GM • Wladislaw Tkatschiew *1973, kasach. GM • Kasparow erobert 1985 gegen Karpow den WM-Titel

Einer der brillantesten Angriffspieler mit der unglaublichen Kombinationsgabe.

Michail Nechemjewitsch Tal – der 8. Schachweltmeister – faszinierend würde Spok sagen.

Der Zauberer aus Riga

Besaß er hypnotische Fähigkeiten?

»Mein Kopf ist mit Sonnenschein erfüllt«. So kommentierte der aufstrebende Stern aus Riga seinen Triumph im Kandi­ datenturnier 1959 in Jugoslawien. Mit feurig flackernden Augen, der Aura des Mystischen und der ungehemmten Angriffslust eines Romantikers schockierte und verzau­ berte »Mischa« Tal die gesamte Schachwelt. Wenn auch seine Regentschaft auf dem Thron nur ein Jahr und fünf Tage dauerte, bleibt der Zauberer aus Riga einer der leuchtenden Sterne der Schachgeschichte.
Michail Tal wurde in eine jüdische Familie hineingeboren. Er war ein echtes Wunderkind, mit enormer musikalischer Begabung, und bereits mit fünfzehn nahm er das Studium an der philologischen Fakultät der Universität Riga auf. Schach lernte Misha erst mit acht Jahren, wobei jedoch sofort sein außergewöhnlicher Scharfblick erkennbar wurde. Zeitlebens verachtete Michail Tal alles Technische. So schenkte er die sowje­ tische Luxuskarosse vom Typ Wolga, die er für seinen Weltmeisterschaftsgewinn er­ hielt, ganz ohne Bedenken seinem Bruder.

Ein tragisches Schicksal zwang Tal eine schwächliche Konstitution auf, die er durch­ aus optimistisch und mit einem Schuss Galgenhumor trug. Immerhin musste er zwölf Operationen überstehen, die ihn letztlich auch in die Abhängigkeit von Sucht­ gift trieben. Vermutlich war auch seine Niederlage im WM-Retourkampf gegen Bot­ winnik auf das bereits Anfang der sechziger Jahre evidente Nierenleiden zurückzu­ führen. Für einmal war Tal nur ein Schatten seiner Angriffslust, für einmal schien er sich in sein Schicksal zu ergeben. Allerdings nicht für lange. Tal kam wieder, und im Jahr 1973 blieb er – 86 – Partien in Serie ohne Verlust! Nach der ersten Niederlage meinte er:»Gut, jetzt kann ich nochmals von vorn anfangen.« Tals größte Leidenschaft war das Blitzen, egal ob die Gegner Weltmeister oder Hotelportiers waren. Hier, bei den verrückten 5-Minuten-Partien, konnte Tal seinen Opfer- und Kombinationsdrang voll ausleben. Hier gab es keine präparierten, ausanalysierten Varianten, hier herrschte das pure Genie: »Einige Opfer sind korrekt, die anderen sind meine.« Mischa Tal hat uns zu früh verlassen, doch sein schachliches Vermächtnis lebt weiter. Aktuell hält noch immer Magnus Carlsen mit 125 ungeschlagenen Partien den Rekord eines Spitzenspielers unter den Top10 der Weltrangliste. (Quelle: FAZ 11.10.2020)


Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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