Schachkalender 31.10.

Schachkalender 31.10.

 31. Oktober BIOGRAFIE: ALEXANDER ALJECHIN

KALENDER: Alexander Alexandrowitsch Aljechin *1892-1946, russ.-frz. WM • Alexander Nikolaje­ witsch Saizew † 1971 • Alexander Grischuk *1983, russ. GM

Vom Tode und Alkohol bedroht – ein Schachgenie mit unerklärlichen Entscheidungen – Alexander Aljechin
oder
Vom Schachteufel besessen

Alexander Aljechin war, so der große Biograph Hannak, ein aristokratischer Herren­ mensch, ein Einzelgänger mit einem unbändigen Siegeswillen. Dieser Charakterzug prägte sein Leben. Eine lediglich gewonnene Schachpartie konnte ihn nicht befrie­ digen, sie musste auch noch ein Kunstwerk sein, eine Perfektion des Geistes, ein Wunderwerk der Phantasie. Zeitweise war Aljechin dem Alkohol verfallen, er wech­ selte seine Lebensgefährtinnen mehrmals, heiratete immer wieder wesentlich älte­ re Frauen, doch Schach blieb stets der Fokus seiner Leidenschaften.

Geboren wurde Alexander Alexandrowitsch Aljechin am 31. Oktober 1892 in Mos­ kau, als Sohn eines Adeligen. Die russische Hauptstadt galt um die Jahrhundertwen­ de als Zentrum des internationalen Schachs, gleichsam als Nährboden für zukünfti­ ge große Meister. Schon während des Schulunterrichts geriet der Junge mit dem blonden Haar in den Bann des königlichen Spiels. Bereits damals zeigte sich sein Hang zu tollkühnen Kombination, zu einfallsreichen Opfern, zu genialen Spielplä­nen. Jahre später
bemerkte der ebenso taktisch orientierte Rudolf Spielmann: »Ich kann Kombinationen ebenso gut sehen wie Aljechin, aber ich kann nicht die gleichen Stellungen erreichen.«

1909 begann mit dem Allrussischen Amateurturnier der unaufhaltsame Aufstieg Aljechins. Knapp 16 Jahre alt, siegte er und wurde fast umgehend als potentieller Nachfolger des eben verstorbenen Michail Tschigorin gesehen. 1914 in St. Peters­ burg würdigte Zar Nikolaus II. Aljechin als einen von fünf Spielern mit der Verleihung des Großmeistertitels. Mit der Oktoberrevolution jedoch brachen schwere Tage für Aljechin heran. Kurzfristig war er sogar zum Tod durch Erschießen verurteilt, wurde jedoch auf Grund seiner spielerischen Genialität im letzten Moment freigelassen. Die Zukunft schien hoffnungslos, doch durch eine Heirat erwirkte Aljechin die be­ gehrte Ausreisegenehmigung.

Der Rest ist bekannt.
Der Dämon am Schachtisch (»Während eines Wettkampfes sollte ein Schachmeister eine Mischung aus einer Bestie und einem Mönch sein«,so Aljechin) wurde von Turnier zu Turnier stärker. 1927 war er für die Weltsensation bereit: Dem unschlagbaren Capablanca wurde die Schachkrone entrissen. Aljechin eilte von Turniersieg zu Turniersieg, er brach den Blindsimultanweltrekord, er war allgegenwärtig. Doch vom Alkohol geschwächt verlor er 1935 seinen Titel an den Holländer Max Euwe.

Zwei Jahre später kehrte der in Frankreich lebende Heros wieder auf den Thron zurück.
Nach einem unliebsamen Zwischenspiel im nationalsozialistischen Deutschland verbrachte
Aljechin die letzten Jahre seines Lebens (als Schachweltmeister) in Estoril im portugiesischen Exil.

Boris Spasski fand die sehr treffenden Worte für dieses Genie:
»Aljechin ist für mich der größte Spieler aller Zeiten. Vielleicht deshalb, weil er für mich und viele andere immer ein Rätsel bleiben wird.«

 

 

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

 

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