Schachkalender 25.10.

Schachkalender 25.10.

 25. Oktober DER PFANDNER

KALENDER: Adolf Schwarz † 1910 · Karoly Honfi *1930-1996, ung. IM u. FSGM · Arkadij Naiditsch *1985, lett.-dt. GM

Geldgeber, Pfandleiher, Schiedsrichter, Wirt

Betwin, Tipico, oder Sportwetten im Schach des Mittelalters
Wetten (k)eine so neuzeitliche Erfindung wie man meinen könnte.

Das Schachspiel des späten Mittelal­ters war durch große regionale Unter­ schiede im Regelwerk und in der Art, wie gespielt wurde, gekennzeichnet. Aus diesem Zeitabschnitt ist uns keine einzige gespielte Partie zur Gänze überliefert; in den Manuskripten fin­ den sich ausschließlich Mattaufgaben und Endspiele. Außerdem war es für die Gelehrten der drei großen Religionen nicht einfach, das Schachspiel vom Glücksspiel zu trennen, denn das Schach hatte Glücks­ spielcharakter, es war primär als Wette um Geld oder Gegenstände zu verstehen. Die klassischen arabischen Probleme (Mansuben) waren in Europa von den fahrenden Be­rufsspielern umgearbeitet und zum Wettspiel benutzt worden.
In diesem Akt des Wettens war es üblich, die gesetzten Gegenstände oder Geld einer dritten Person anzuvertrauen, was später durch abstrakte Berechnung des Spielstandes und seine Abrechnung am Ende des Spiels abgelöst wurde. Als Gewährleistung eines ehrlichen Spiels mit Rechtsgültigkeit war die Zuziehung der Person des »Pfandners« .
(im Bild unten – dort links mit dem Pokal in der Hand) notwendig. Der Pfandner als Mittelsperson konnte zugleich Geldgeber, Pfandleiher, Schiedsrichter und Wirt in einer Person sein.

Das Spiel war wie folgt geregelt (Wiener Stadtrechtsbuch 1278-1330):
Wird ein Spiel um Einsatz gespielt, so hat dies nur Rechtsgültigkeit, wenn ein Pfandner anwesend ist. Vor Gericht gilt die Aussage des Pfandners und, wenn nötig, zweier Ehrenmänner als Zeugen, nicht aber die der Spieler! Der Pfandner muss, wenn ein Spieler verloren hat und nicht mehr bezahlen kann, von diesem Naturalien annehmen und darf ihn
»untz an das hämde« (bis aufs Hemd) pfänden. Er ist verpflichtet, dem Gewinner den ganzen Betrag auszuzahlen, sogar aus eigener Tasche, wenn die Exekution gegen den Verlierer fruchtlos geblieben ist oder weniger ausmacht als dessen Schuld. Der Gewinner  muss jedoch dem Pfandner  einen  Anteil an der  Gewinnsumme, das »Pfandrecht«, abtreten.
Diese Institution sollte Menschen, die kein oder wenig Geld besaßen, das Spielen erschweren, denn wegen der großen Verantwortung und der Gefahr eigenen Schadens musste sich der Pfandner über die Vermögensverhältnis­ se »seiner« Spieler gut informieren. Der Pfandner war eine über ganz Europa verbrei­ tete Institution.
Ab dem 14. Jahrhundert schränkten immer schärfere Gesetze das Spiel ein, das Kartenspiel löste den Würfel ab. Die Reformation ließ den Pfandner allmählich verschwinden, der in der Neuzeit bloß als Bankhalter im Glücksspiel fort­ lebt. Im neuen, schnellen Schach seit dem 16.Jahrhundert stand nicht mehr das Problem
als Wette im Vordergrund, sondern die praktische Partie.

Verfasst von Michael Ehn

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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