Schachkalender 12.10.

Schachkalender 12.10.

 12. Oktober BIOGRAFIE: AKIBA RUBINSTEIN

KALENDER: Akiba Kiwelowicz Rubinstein *1882-1961, poln. GM

Der Spinoza des Schachspiels – Logik und Präzision

Akiba Rubinstein wurde am 12. Dezember 1882 als zwölf­ tes Kind einer jüdischen Familie im kleinen Dorf Stawiski, siebzig Kilometer von Warschau entfernt, geboren. Sein Vater und seine Vorväter waren Schriftgelehrte, was im Stetl, der Heimat dieser Familie, wo nahezu ausschließlich die Beziehung des Menschen zu Gott gesucht wurde, zur permanenten Auseinandersetzung und Deutung des Tal­ muds führte. »Die Texte folgen nicht linear aufeinander, son­ dern halten einander in Schach, so dass der lesende zum Schachspieler wird … « (Strouhal)
Dies also war Rubinsteins Welt, und  bis zum 16. Lebensjahr schien das Thorastudium auch seine Zukunft.

Dann plötzlich entschloss sich der Junge, auszuziehen und Schachweltmeister zu werden. »Luftmensch« war die abschätzige Bezeichnung für solche Art Emigranten ohne Ausbildung und Kapital. Ein schweres Los …

Von der ersten Rubinsteinschen Glanzpartie aus dem Jahr 1901 führt der Weg des Polen steil nach oben. Logik, Endspielkunst, ästhetischer Genuss (Rubinstein: ». . . bei einer schönen Kombination gerate ich geradezu in einen Fieberzustand … «) und ein ex­ zellentes Gedächtnis machten diesen Schachkünstler zu einem gefürchteten Geg­ ner, spätestens seit seinem internationalen Sensationsdebüt 1906 in Ostende. Das Jahr darauf sah Rubinsteins Unsterbliche (gegen Rotlewi), eine Perle der Partienge­ schichte. => 26. Dez.

1912 war das magische Jahr Rubinsteins. Turniererfolg reihte sich an Turniererfolg, und schon wurde der scheue Pole als erster Weltmeister­ schaftsanwärter betrachtet. Dann jedoch kam der völlig unerwartete Zusammen­ bruch. Rubinsteins Nervenkostüm hielt dem Druck in St. Petersburg 1914 nicht stand. Jahre später erzählte der über Rubinsteins Zustand verzweifelte Schachästhet Jacques Mieses von einer lästigen Fliege, die den Polen quer durch Europa verfolgte und sich in entscheidenden Momenten auf seiner Stirn niederließ. Damit ging alle Konzentration verloren. Ab nun blitzte nur noch selten das Genie in Rubinsteins Spiel auf. Seine geistige Zerrüttung deutete sich bei seinem letzten glanzvollen Auf­ tritt bei der Schacholympiade in Hamburg 1930 trotz des Sensationsergebnisses von 15/17 bereits unübersehbar an.

So schreibt Alfred Brinckmann in seinem Porträt des großen Polen: »Weltabgewandt. Einem indischen Büßer fast vergleichbar. Der nichts weiter kennt, als ein tiefes Sichversenken in das Reich des schwarz und weiß ge­schrägten Brettes. Das ihm ein Mysterium ist, dem er in gläubiger Verehrung wie ein Priester dient Seltsam, wie er nach jedem Zug in eine abgelegene Ecke des Saales flüchtet und dort wie im Gebetraum verloren in irgendwelche Fernen blickt, losgelöst von aller Umwelt.« 1931 verschwand Rubinstein von der Schachbühne.
Nach dreißig Jahren in einem Antwerpener Sanatorium starb der große Meister am 15.März 1961.

Was bleibt, ist Rubinsteins Unsterbliche!

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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