Schachkalender – 01.10.

Schachkalender – 01.10.

 01. Oktober REGELWERK IM WANDEL

KALENDER:  Philipp Hirschfeld *1840-1896, dt. Meister· Otto Würzburg †1951 · Marcel Duchamp †1968

Die große Reform
Das 15. Jahrhundert, genauer gesagt die Jahrzehnte vor dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit,
brachte auch für das Schach umwälzende Veränderungen. Der Aktionsradius
einiger Figuren wurde gewaltig ausgedehnt, das Spiel wurde schneller,
neue Strategien entstanden und der König war plötzlich zu einer schutzbedürftigen
Figur degradiert. Über die Gründe für diese Reform gab es selbst unter bekannten
Schachhistorikern wilde Spekulationen.

Van der Linde meint, es müsse einen »Kolumbus des Schachspiels« {Petzold) gegeben haben,
mit Spanien als Ursprung der Reformen.
Andere, wie Murray, sehen einen langsameren Übergang aus Italien; wieder andere
meinen, die revolutionären Reformen können nur von Frankreich ausgegangen
sein. In der Tat weiß man seit Ricardo Calvos Untersuchungen (1993), dass der wahrscheinlichste
Ausgangspunkt für diese Reformen Valencia war, wo im 15. Jahrhundert
deutsche Auswanderer die Kunst des Buchdrucks mit beweglichen Lettern pflegten.
Da gleichzeitig die Vertreibung der Juden aus Spanien auch vor den Berufsspielern
nicht haltmachte, verbreitete sich diese Variante mit rasender Geschwindigkeit über
ganz Europa. Der österreichische Schachhistoriker Michael Ehn vermutet
(in seinem Beitrag zum Scacchia Ludus), dass es im Interesse des Schachs lag,» … vor allem das ,rabiate’
Schach zu popularisieren, weil es viel schneller und besser Geld zu gewinnen
gab, als das beim alten Schach je möglich gewesen wäre.«
Die ersten eindeutigen Belege für das »Schach neu« sind zweifellos das um 1475
entstandene Manuskript Scacs d’Amor sowie Lucenas Werk
»über die Liebe und das Schach« aus dem Jahr 1497. Hier wird die neue Spielform »del la dama« dem alten
»del viejo« gleichwertig gegenübergestellt. Lucenas Werk enthält 150 Schachprobleme mit beiden Spielarten.

Welche dramatischen Reformen nun erfuhr das königliche Spiel seit dem späten Mittelalter?
Dame (bisher Fers, Wesir) und Läufer (Alfil) werden langschrittig.
Die Dame vereinigt die Gangart von Turm und (neuem) Läufer.
Schach wird insgesamt wesentlich kombinatiohsreicher.
Der König wird schutzbedürftig.
Die Rochade (allerdings noch nicht mit den heutigen Regeln) wird aus dem Königssprung erfunden, um den König zu schützen.
Beraubungssiege (der König verliert alle seine Mitstreiter auf dem Feld) verschwinden,
und Pattsiege werden zum Remis abgewertet.
Die während vieler Jahrhunderte üblichen Tabiyas, also vorgegebene Eröffnungsmuster,
werden überflüssig, da sich die Gangart der Figuren ändert.
Die Zahl der Eröffnungsvarianten nimmt dramatisch zu.
Der Doppelschritt des Bauern findet bereits weit vor diesen Reformen statt.
Die En passant.-Regel ergänzt später den Bauern-Doppelschritt.
Die Umwandlungsmöglichkeiten beim Einzug eines Bauern werden erst im 19. Jahrhundert standardisiert.

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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