Schachkalender – 07.09.

Schachkalender – 07.09.

 

07. September FRÜHE SCHACHBÜCHER



KALENDER: Francois-Andre Danican Philidor *1726-1795, frz. inoffiz. WM . • Samuel Rosenthal *1838-1902, frz.-poln. Meister• Johannes Hermann Zukertort *1842-1888, pol.-engl. Meister

»Die Bauern sind die Seele des Spiels«

Philidor, mit bürgerlichem Namen Francois-Andre Danican (Duncan ist schot tischer. Herkunft), entstammt einer Musikerfamilie. Und wie kaum ein anderer Meister des- königlichen Spiels, hat es Philidor in beiden Metiers, Musik wie Schach, zu einer Ein- tragung ins Lexikon gebracht. Im Alter von sechs wurde der Junge in die königliche Kapelle von Versailles aufgenommen, wo er in den Übungspausen die Möglichkeit hatte, von den Musikern Schach zu lernen: »durch bloßes Zusehen« wie der Dramatiker Michel Sedaine berichtet. Als einmal ein Spielpartner des Seniormusikers ausfiel, sollte der junge Andre einspringen. Völlig unerwartet für alle Anwesenden setzte er den erfahrenen Schachspieler matt. Von nun an war Andre unschlagbar.

Auf musikalischem Gebiet ging es ebenfalls voran. Eine im Alter von zwölf Jahren elegant komponierte Mottete erregte sogar die Aufmerksamkeit von König Ludwig XV. und wurde mit großzügigen 5 Louisdor belohnt.    

Als Philidor 1740 nach Paris kam, wurde ihm das Cafe de la Regence wie so vielen anderen Schachmeistern eine zweite Heimat. Mit dem triumphalen Sieg gegen den großen Gegenspieler  Philipp Stamma in Paris machte sich Philidor endgültig zum; Meister der Welt. Das junge Genie verblüffte vor allem im Blindspiel, wo er gleichzeitig gegen bis zu drei Gegner antrat. In der damaligen Zeit sah man dies als ein Wunder des menschlichen Geistes an, das allerdings nicht ohne Gefahr sei.
So warnte Diderot gut meinend das Schachgenie, durch derlei nutzlose Demonstration der Eitelkeit das Risiko in Kauf zu nehmen, dem Irrsinn zu verfallen. Philidor schlug derlei Warnrufe in den Wind. Dafür begannen ihn nun Adelskreise zu fördern, und so konnte Philidor 1749 endlich sein Buch L’Analyzedes echecs veröffentlichen, wo er den Zukunft weisenden Satz formulierte: »Die Bauern sind die Seele des Spiels«.
Nun war es· Philidor vergönnt, wieder nach Paris zurückzukehren und elf technisch perfekte harmonische Opern zu komponieren, die zum Teil bis zum heutigen Tag aufgeführt werden
(am bekanntesten ist Tom Jones nach einem Roman von Fielding).

Die Leidenschaft für das königliche Spiel führte Philidor jedoch nochmals nach London. Jetzt begann sich das begnadete Talent mit Schachvorstellungen, bezahlten Partien und Musikstunden bohemienartig durchs Leben zu schlagen. Jetzt glitt er von seiner Musikerlaufbahn endgültig ab. Saison für Saison wartete der Spielsaal auf Philidor, bis zuletzt 1793 während der Französischen Revolution eine Rückkehr nach Paris endgültig unmöglich wurde.
Sein Name stand auf der Emigrantenliste –  und auf diese wartete die Guillotine. Am 31. August 1795 starb Philidor einsam, verarmt und unrühmlich. Sein Grabmahl bleibt unbekannt.
Wie schrieb Max Euwe in seinem Werk Feldherrnkunst im Schach:
»…Philidor legte den Grundstein zum modernen Stellungsspiel. Er führte das Schach über die engen Grenzen euklidischer Beobachtung hinaus in den schrankenlosen Raum kartesianischer Ideen.«

Schachkalender_07.09._proSchach.de
Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 07.09.

 

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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