Schachkalender – 18.08.

Schachkalender – 18.08.

18. August DAS VERSCHOLLENE BUCH
KALENDER
: Louis Paulsen t1891 • Dorin Rogozenko *1973, moldaw.-rum. GM

Alle in einer Person oder – Frankreich und Italien im MIttelalter Vorreiter in Sachen Schach – geheimnisvoll

Francesch Vicent der erste Schachbuchautor

im Jahr 1496/97 veröffentlichte Luis de Lucena in Salamanca die»Repeticion deamo­ res y arte de axedres«, das Buch von der Liebe und der Kunst des Schachspiels. Vom Autor wissen wir nur, dass er Student in Salamanca war und einer Familie von »Con­ versos« entstammte, die unter den Königen Ferdinand und lsabella vom Judentum zum Christentum konvertierten. Lucenas Buch ist das erste gedruckte Schachbuch, das von den neuen in Europa entstandenen Regeln handelt:
Statt des arabischen Wesirs, der nur einen Schritt diagonal ziehen durfte, erscheint die neue langschrittige Dame, und aus dem Elefanten wird der moderne Läufer. Mit den Regelveränderungen, zu deen die Rochade, das En-passant-Schlagen und der Doppelschritt des Bauern kamen, entwickelte sich das Schach rasch zu einem dynamischen Spiel. Seit­dem beschäftigt die Schachforscher die Frage, woher die neuen Regeln stammen. Bereits im 19. Jh. hatten Schachforscher im Kloster von Montserrat eine wichtige Entdeckung gemacht: In einem Katalog wurde auf ein Buch des Katalanen Francesch Vicent aus Segorbe hingewiesen. Sein Buch »Libre dels jochs partitis dels schachs« wurde 1495 in Valencia gedruckt, also mindestens ein Jahr vor dem von Lucena. Doch 1811 wurden das Kloster und seine Bibliothek von den Franzosen zerstört, und mit ihr ging wohl das letzte Exemplar des geheimnisvollen Buchs verloren. Der spanische Schachhistoriker Jose A.Garzón hat nun den Fall neu aufgerollt: In Perugia und Cesena fand Garzón Schachmanuskripte des »spanischen Meisters Francesco«, des Schachlehrers von Lucrezia Borgia. Dieser Lehrer dürfte niemand anderer als Francesch Vicent, ein sephardischer Jude, der Spanien verlassen musste und in Italien gelebt hat, gewesen sein. Eine genaue Analyse der Manuskripte zeigte, dass es sich um eine Abschrift des verloren geglaubten Buchs handelt. Mehr noch, Garzón konnte nachweisen, dass das Cesena-Manuskript nahezu identisch mit dem Buch von Lucena ist, das nun nur noch als Bearbeitung des Buches von Vicent erscheint. Dies führte Garzón zu der erstaunlichen These, dass Vicent niemand anderer als Lucena selbst, ja dass sogar hinter Damiano (bekannt durch das Damiano-Matt), dem Autor des ersten italienischen Schachbuches, Vicent steckt, dessen Buch frei­lich weiterhin verschollen bleibt,
wenn wir nun auch zumindest seinen Inhalt kennen.

 

Cesena Manuskript Nr. 74              ·

Matt in 6 mit dem Bauern
1.
Td4! Kb8 2. Td8+ Ka7 Tempozüge, um den König auf der a-Linie nach unten zu treiben.
3.Sb5+ Ka6 4.Td3! Ka5 5.Ta3+ Kb4 6.c3#.
Der Läufer (Lc1) hat lediglich eine dekorative Aufgabe.

Altehrwürdig!

Verfasst von Michael Ehn

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 18.08.

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