Schachkalender – 17.08.

Schachkalender – 17.08.

17. August BIOGRAFIE: MICHAIL BOTWINNIK
KALENDER
: Michail Moisejewitsch Botwinnik *1911-1995, russ. WM

Ein menschlicher Roboter, präzise wie ein Uhrwerk – vielleicht indirekt das Vorbild von Commander Data (Raumschiff Enterprise)

Anders als viele der leidenschaftlichen Meister seiner Zeit war Michail Botwinnik stets auf absolute Präzision bedacht. Er plante seinen Tagesrhythmus,er ordnete sei­nen Trainingsablauf, ja er simulierte sogar Turniersituationen, soweit dies irgend möglich schien. So soll Wjatscheslaw Ragosin in einer Matchvorbereitung die vor­ dringlichste Pflicht gehabt haben, dem großen Botwinnik Rauch ins Gesicht zu bla­sen und laute Radiomusik zu spielen, um ihn gegen den kommenden Gegner abzuhärten.
Pragmatisch, fast spröde seine Spielauffassung, doch mit exakter Be­rechnung aller Varianten. Botwinnik passte das Spiel seinem Charakter an, und dieser spiegelt sich selbst durch den Titel seiner als Buch veröffentliche Doktorarbeit wider: Theorie und Anwendungsmöglichkeiten- nichtsynchronisierter Synchronmaschinen. Zeitlebens war Botwinnik vielschichtig unterwegs, als Schachchampion ebenso wie als Elektroingenieur.
Dennoch blieb er im Herzen ein Einsamer, ein Einzelgänger.

Doch zurück zum 17. August 1911 (nach russischem Kalender), dem Tag, an dem Mi­chail  Moisejewitsch das Licht der Welt erblickte.
Wie bei vielen anderen Meistern á la Fischer oder Spasski trennten sich seine Eltern bereits früh, anders als bei vielen späteren Meistern jedoch
lernte Botwinnik erst mit zwölf Jahren Schachspielen. Zwei Jahre später bereits zeigte er sein aufkeimendes Genie, als er Capablanca in einer Si­multanpartie bezwang.

In den dreißiger Jahren begann Botwinniks Stern vollends zu leuchten, vor allem mit den Turniersiegen in Moskau und Nottingham.
1948 ge­wann Michail Moisejewitsch das WM-Turnier um den vakanten Titel in Den Haag und Moskau. Danach zog er sich für drei Jahre fast völlig vom·Schach zurück.
Beinahe wäre diese Entscheidung ins Auge gegangen, als der kreative, draufgängerische David Bronstein ihm 1951 die Schachkrone zu entreißen drohte.
Doch Botwinnik hielt stand, ebenso wie drei Jahre später gegen Smyslow: Resultat jeweils 12:12.
1957 musste er sich dennoch dem unverbrauchten Smyslow beugen. Im·(damals möglichen) Retourkampf konnte Botwinnik zur Überraschung der Schachwelt den Titel zurückerobern.
1960 und 1961 folgte der zweite Teil der Botwinnik-Comebacks:
Niederlage und neuerlicher Sieg gegen den fulminanten Michail Tal. Botwinniks Weg endete erst 1963 mit der Niederlage gegen den Armenier Petrosjan.
Insgesamt siebenmal war Michail Moisejewitsch Sowjetischer Meister (bis heute ein Rekord).
Viele Jahre widmete er sich neben seiner Suche nach dem perfekten Schachcomputer der nach ihm benannten Botwinnik-Schachschule.
Mit  unglaublichem Erfolg, denn menschliche sind auf alle immer noch zu finden wie sowohl Karpow als auch Kasparow und Kramnik, die kommenden Weltmeister bewiesen.
Alle diese waren seine Schüler.
Leider brachte Botwinniks linientreue zum kommunistischen System eine Entfremdung mit Garri Kasparow.
Am 5.Mai 1995 verließ uns Botwinnik für immer. Wassili Smyslow beschrieb den großen Rivalen folgendermaßen:
»Vom Charakter her war er ein Forscher, und  die Basis seines Stils war die Suche nach der Wahrheit.«

Für die Anhänger der Schachromantik (er) wird er eher der Schachingenieur bleiben,
für die Anhänger der Wissenschaft wird er der Schachanalyst sein.
Entscheiden muss man selbst.

Auf alles Fälle hat er – Michail Botwinnik – ein großes Stück der Schachgeschichte mitgeschrieben.
(Bot für Robot und Win nik – für Sieg er – bei der Namensgebung mehr Prophezeihung als – später Deep Blue lässt grüßen – wahrgewordene Prognose.)

 

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 17.08.

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