Schachkalender – 09.07.

Schachkalender – 09.07.

 

08. Juli IM KAFFEEHAUS ll
KALENDER: Berthold Englisch *1851-1897, öst. Meister- Peter Lukacs *1950, ung. GM Café Central -› 30. März

 

Das sagenumwobene Kaffeehaus-Schach – wäre eine Wiederbelebung wie beim Rockcafe möglich

1856 ursprünglich als Börsengebäude errichtet und 1876 zum Kaffeehaus umfunktioniert, wurde das weitläufige Bauwerk des Café Central eine kulturelle Institution, das geistige Zentrum Wiens schlechthin. Hier wurden literarische Schulen geboren, die sich gegenseitig befruchteten und bekämpften, neue Richtungen der Philosophie, Musik, Architektur nahmen hier ihren Ausgang. Hier fand man unter einem großteils jüdischen Publikum zu jeder Tages- und Nachtzeit ein buntes Gemisch von Künstlern und Literaten wie Karl Kraus, Peter Altenberg oder Alfred Polgar und auch Politikern wie Otto, Bauer, Max Adler oder einen gewissen Lew Bronstein. Die Anekdote, wonach ein hoher Beamter des Außenministeriums seinem Minister aufgeregt den Ausbruch der russischen Revolution gemeldet und dieser ungläubig lächelnd geantwortet haben soll: „Gehen’s, wer soll denn in Russland Revolution machen?

Vielleicht der Herr Trotzki aus dem Café Central?“, hat durchaus eine reale Grundlage: Lew Trotzki war ein eifriger Schachspieler, der während seines Wien-Aufenthalts 1907-1914 ganze Nächte im Central Schach spielend zubrachte.
Die räumliche Nähe von Schachspielern und Literaten wirkte befruchtend: Bei Stefan Zweig, Elias Canetti oder Joseph Roth bis hin zu Sigmund Freud finden sich literarische Zeugnisse, in denen das Schachspiel in irgendeiner Form vorkommt.

Natürlich konnte man hier auch die versammelte Crème de la Crème der Schachwelt antreffen. Einer Tradition zufolge musste ein berühmter Meister, kam er nach Wien, zuerst ins Central, um einige Proben seines Könnens zu geben. Dieser Ort war geprägt von Berufsspielern und ihren Versuchen, potente Einnahmequellen zu erschließen. Milan Vidmar, Savielly Tartakower, Richard Réti, vor allem Heinrich Wolf und Leo Löwy, der »König des Central«, um nur die wichtigsten zu nennen, waren hier sesshaft geworden, um auf ››Kundschaft<< zu lauern. Die freien Partien und die teils geistreichen, teils schlichtweg schwachsinnigen Kommentare der sie umlagernden Kiebitze waren der Mittelpunkt des Geschehens. Andere, traurigere Zeiten kamen: der Anschluss Österreichs 1938 an das nationalsozialistische Deutschland, die Vertreibung und Ermordung der Juden, der Zweite Weltkrieg. Das Central selbst wurde 1943 geschlossen und durch Bomben teilweise zerstört.

 

Verfasst von Michael Ehn

 

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 09.07.

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