Schachkalender – 27.06.

Schachkalender – 27.06.

 

27. Juni WIEN ALS SCHACHMETROPOLE


KALENDER: Ernst Karl Falkbeer *1819-1885, öst. Meister· Ulf Andersson *1951, schwed. GM• Larry Christiansen *1956, am. GM

 

Vom Bürger- zum Arbeiterschach

Kaiser Joseph II., der es im Schach zu beachtlicher Spielstärke brachte, förderte das Schach mit dem Hintergedanken, Glücksspiele zu unterbinden. 1795/96 brachte Johann Allgaier in Wien seine »Neue theoretisch-praktische Anweisung zum Schach­ spiel«, das erste originale Lehrbuch in deutscher Sprache, heraus. Und schon um 1800 begann das Kaffeehaus die neue Spielstätte des Bürgertums zu werden. Die

Hauptstadt der Donaumonarchie zog die kreativen Geis­ ter an und wurde bald das kosmopolitische Zentrum so weitverstreuter Gebiete wie Ungarn, Tschechien, Slowa­ kei, Rumänien, Polen, Russland, Ukraine, Slowenien, Kroatien und Italien. Mäzene und Spieler jüdischer Her­ kunft waren dabei die wichtigsten Protagonisten, allen voran der Meister und Förderer Albert Salomon Anselm Freiherr von Rothschild (Foto), sowie lgnatz von Kolisch und Leopold Trebitsch. Als Spitzenspieler der Zeit um 1870 galten Ernst Karl Falkbeer, Carl Hamppe, Adolf Schwarz, Adolf Albin, Berthold Englisch und vor allem Wilhelm Steinitz, der erste offizielle Weltmeister.

Bereits 1857 wurde die Wiener Schachgesellschaft gegründet, und in den folgenden Jahrzehnten erblühte die Donaumetropole zum Schachzentrum der Welt, mit ge­ waltigen Turnieren (1882 gewinnt Steinitz das Jubiläumsturnier der Schachgesell­ schaft, 1898 Tarrasch das Turnier zum SO-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs 1.).
1897 entsteht der Wiener Schachklub (600 Mitglieder), der in den nächs­ ten Jahrzehnten mit dem Cafe Central das Herzstück des europäischen Schachs dar­ stellen sollte.
Ab 1898 prägt die von Georg Marco grandios gestaltete . Wiener Schachzeitung die beeindruckende Wiener Schule, deren schachliches Aushänge­ schild Carl Schlechter wird.

Spätestens seit der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde auch das Schach zum politischen Spiel, als Mittel des Klassenkampfes und der Kulturpolitik thematisiert und damit zum ideologisch-weltanschaulichenSpielball. Bereits 191O ins Leben gerufen, stand die Ar­ beiterschachbewegung bald dem finanziell dominierenden bürgerlichen Block ge­ genüber und spaltete sich 1925 sogar vom Österreichischen Schachverband ab. Als dritte Säule stand das jüdische Schach (Hakoah), das allerdings ebenso wie der Arbei­ terschachbund in der Bürgerkriegsatmosphäre der dreißiger Jahre auf politischen Druck hin verschwand. Nach dem Anschluss an das Dritte Reich gingen große Namen für immer verloren: Kmoch flieht in die USA, Spielmann nach Stockholm. Eliskases und Becker spielen für Großdeutschland, bleiben jedoch nach Kriegsende in Südamerika. 1945 ist Wien als Schachmetropole endgültig Geschichte.

Nach historischen Aufsätzen von Michael Ehn

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 27.06.
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