Schachkalender – 22.06.

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22. Juni BIOGRAFIE: PAUL MORPHY


KALENDER: Paul Charles Morphy *1837-1884, am. inoffiz. WM – Howard Staunton †1874 –
Milan Vidmar *1885-1962, jug. GM
                        

Ein international geachtetes Ausnahmetalent
mit mysteriösem Erscheinen und Verschwinden –
merkwürdig erst Recht beim ersten inoffiziellen Weltmeister

Aus dem Nichts gekommen – ins Nichts entschwunden / real mystery
Paul Charles Morphy wird von vielen als das größte Naturtalent aller Zeiten gesehen.

Zudem ist kein Spieler der Schachgeschichte so legendenumwoben wie der am 22.Juni 1837 in New Orleans geborene Amerikaner. Er hinterließ uns wunderbare, unvergleichliche Partien, er vereinte die Prinzipien des modernen Spiels mit der Angriffslust der Romantiker. Sein Schach war gekennzeichnet von Dynamik und Brillanz. Niemand konnte sich mit ihm messen, und schon als Zwölfjähriger besiegte er den aus Europa geflüchteten Meister Johann Löwenthal. Und doch entsagte Morphy in seinen späten Jahren dem königlichen Spiel ganz, ja das Wort Schach durfte in seiner Gegenwart nicht einmal mehr erwähnt werden. Morphys Vorfahren stammen aus Irland (alte Schreibweise Murphy), Frankreich und Spanien. Er selbst, nur 1,62 m groß, war zeitlebens still, verschlossen und den eigenen Gedanken nachhängend. Morphy hatte eine schier ungewöhnliche Begabung für das Blindspiel und dazu ein phantastisches Gedächtnis. Alle seine Schachbücher, so wird berichtet, verschenkte er, nachdem er sie sich fast fotografisch einverleibt hatte.

Seine kurze Karriere begann 1857 beim Amerikanischen Schachkongress, der vom New York Chess Club organisiert wurde. Der im Blitztempo agierende Paul Morphy überspielte alle und siegte vor dem damals noch jungen Louis Paulsen. Nun entschied sich Morphy mangels Gegnerschaft in den USA für eine Europatournee. Am 22.Juni 1858 landete er in London, an seinem 22. Geburtstag. Da Howard Staunton einem Wettkampf permanent auswich, musste Morphy weiter nach Paris. lm Café de la Régence machte er mit Harrwitz kurzen Prozess. Durch weitere lockere Siege sowie Blindsimultanvorstellungen an 8, dann bis zu 20 Brettern wurde der Amerikaner zum Helden von Paris. Während einer Aufführung von Rossinis Barbier von Sevilla entstand seine berühmte Opernpartie gegen den Herzog von Braunschweig und Graflsouard (-› 8. Juli). Nachdem Morphy auch den großen Schachmeister AdoIf Anderssen überzeugend mit 7:2 an die Wand gespielt hatte, kehrte er zurück in die Heimat. Am 11.Mai 1859 betrat er wieder amerikanischen Boden Die Neue Welt »überschlug sich vor Begeisterung« (Schonberg), Überall schossen Clubs aus dem Boden, Schachbücher wurden zu Bestsellern, Schachzeitschriften eroberten Lesermassen.

Doch Morphy war von all dem unbeeindruckt.

Der Rest seines Lebens war tragisch. Jahrelang litt Morphy an Schwermut und Verfolgungswahn. Niemand wollte in ihm den Anwalt sehen, war doch Morphy zum Synomym für das Schach geworden. Er selbst begann das Schachspiel zu hassen, zog sich vollends zurück und starb schließlich am 10. Juli 1884 in geistiger Umnachtung. Was bleibt, sind die Worte Anderssens:
››…Wer mit Morphy spielt, lasse jede Hoffnung schwinden, dass derselbe in eine noch so fein angelegte Schlinge gehen
werde …«

 

 

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

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Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 22.06.

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