Schachkalender – 21.05.

Schachkalender – 21.05.

21. Mai ENDSPIELDATENBANKEN
KALENDER: Ernst Friedrich Zermelo (*1871)-+1953, dt. Mathematiker• Zdenko Kozul *1966, kroat. GM

Ist Schach vollständig analysierbar?

Klare Antwort – Jein, also eher ja, denn es ist eine Frage der Rechenkapazität.
Aber jeder gute Schachspieler weiß, dass man fehlgreifen kann und man eben keine Maschine ist.

Was kann eine Endspieldatenbank? Ganz einfach, jede Stellung mit einer bestimmten Zahl von Steinen wird vollständig analysiert. Dadurch kann mit Bestimmtheit (Programmierfehler sind praktisch ausgeschlossen) ein weißer oder schwarzer Gewinn (beidseitig optimales Spiel vorausgesetzt) bzw. ein Remis ermittelt werden. Kleine Probleme gibt es nur noch mit dem Einbeziehen der Rochade und mit der 50-Züge-Regel.

Erste Gedanken zu einer Art Datenbank erfolgten bereits 1913 durch Ernst Zermelo, der den mathematischen Beweis erbrachte, dass endliche Spiele wie Schach (es gibt bestimmte Abbruchbedingungen, z. B. 50-Züge-Regel, dreimalige Wiederholung der gleichen Stellung, kein ausreichendes Mattmaterial) eine eindeutig definierte Lösung haben: Weiß gewinnt, Schwarz gewinnt, oder die Partie ist Remis. Kenneth Thompson von Bell Laboratories (unter Mithilfe des englischen Schachkomponisten John Roycroft) war federführend bei der Entwicklung einer praktikablen 5-Steine­ Datenbank. Dabei wird in vier Schritten vorgegangen:
(1) Alle möglichen Stellungen mit (hier) 5 Steinen werden erzeugt und in einem Index festgehalten.
(2) Alle Ge­winnstellungen für Weiß werden ermittelt.
(1) Und zwar, indem alle Stellungen, bei denen Schwarz matt ist,gesucht werden;
(11) … alle Stellungen mit Weiß am Zug, die zu (1) führen; (111) … alle Stellungen mit Schwarz am Zug, die zu (11) führen; (1111) … alle Stellungen mit Weiß am Zug, die zu (111) führen usw.
(3) Alle Gewinnstellungen mit Schwarz werden ermittelt (wie oben).
(4) Die übrigen Stellungen müssen remis sein. Die modernste Datenbank von Nalimov, bei der Matt in der kürzestmöglichen Zug­ zahl als Ziel definiert wird (mit oder ohne 50-Züge-Regel), weist noch einige techni­ sche Verbesserungen auf, wenn auch der Basis-Algorithmus gleich bleibt.

Was ist der praktische Nutzen dieser Computeranalysen? Die Korrektheit von Schachstudien, Mehrzügern, Fernschachpartien oder Schachprogrammen kann überprüft werden.
Bugs (Fehler) in alten Kompositionen werden zwangsläufig ge­funden. Bei Aktivierung einer Endspieldatenbank weist der Computer eine wesent­lich höhere Zugfrequenz auf. Theoriekenntnisse werden erneuert. Beispiel: Das End­spiel »König und zwei Läufer gegen König und Springer« kann entgegen schachhistorischer Meinung in den meisten Fällen doch gewonnen werden, wenn auch manchmal in bis zu 66 Zügen.

Ist Schach also theoretisch vollständig analysierbar? Wäre das geschilderte Verfah­ren auf alle 2 x 32 Steine erweiterbar, wäre die Antwort eindeutig: ja!
Doch die Re­chenzeit käme nicht ohne einen »außerirdischen« Computer aus. So weit sind wir zum Glück noch nicht!
Ende 2002 waren alle Stellungen mit 5 Steinen analysiert, im August 2005 umfasste die Megadatenbank auch alle 6-Steine-Endspiele.
Und seit Frühjahr 2006 gibt es Teildatenbanken für 7 Steine (Bauernendspiele ausgenom­ men). Die Analyse geht weiter …

Stand: 2022 – 8 Steine Datenbank.

Quelle: -pdf. => alle anderen Kalenderblätter vom Schachkalender unter: https://proschach.de/?s=Schachkalender

Schachkalender 21.05. proSchach.de
Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 21.05.

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